39 - Satan und Ischariot III by May Karl

39 - Satan und Ischariot III by May Karl

Author:May, Karl [May, Karl]
Language: deu
Format: epub
Published: 2011-10-19T22:00:00+00:00


„Kann mir gleichgültig sein. Wir werden Euch das Sprechen lehren. Hier steht der Erbe, den Ihr betrogen habt; er mag Euch die Zunge lösen. Master Vogel, steigt doch einmal die Terrassen hinab, und holt Euch von den Büschen da drüben einige recht hübsche, biegsame Stöcke.“

Vogel ging; als er mit den Stöcken zurückkam, hatten wir Melton von der Leiter gebunden und schnürten ihn wieder so darauf, daß seine Rückseite nach oben kam.

„Nun, wollt Ihr sprechen?“ fragte ich ihn.

„Schlagt zu!“ knirschte er. „Aber ich sage Euch, daß es Euch das Leben kosten wird!“

„Pah! Macht Euch doch durch solche albernen Drohungen nicht lächerlich! Wer soll uns denn das Leben nehmen? Ihr befindet Euch doch in unseren Händen.“

„Aber mein Sohn nicht!“

„Täuscht Euch nicht!“

„Leugnet immerhin! Er ist fort. Wenn Ihr ihn bekommen hättet, wäre er sicher hier, und Ihr würdet Eure Fragen nicht an mich, sondern an ihn richten.“

„Möglich! Aber da wir sie nun einmal an Euch richten, werdet ihr sie uns auch beantworten. Haut zu, Master Vogel!“

Der Violinvirtuose begann den soeben vom Busch geschnittenen Bogen aus Leibeskräften zu streichen, doch ohne Erfolg. Melton biß die Zähne zusammen und gab keinen Laut von sich. Da sagte Emery:

„Das ist nichts. Unser kleiner Master Vogel hat kein rechtes Mark in den Knochen. Gebt einmal einen Stock her! Ich möchte wetten, daß er bei mir zum Sprechen kommt.“

Melton stieß gleich beim ersten Hieb des Englishman einen Schrei aus, denn das Fleisch war auseinander gesprungen; der zweite und dritte Schlag hatte denselben Erfolg, und als die nächsten Hiebe ins rohe Fleisch schnitten, konnte er die Schmerzen doch nicht ertragen und schrie:

„Haltet an! Ich will es sagen!“

„Nun, die zehntausend Dollars?“ fragte ich.

„Sind von der Erbschaft“, gestand er ein.

„Die einen Zehntausend habt Ihr Euerm ermordeten Bruder abgenommen?“

„Nein.“

Sofort erhielt er von Emery zwei so kräftige Hiebe, daß er brüllte:

„Ja, ja, sie sind von ihm!“

„Und die fünfzehntausend Dollars?“

„Die gehörten mir, ich habe sie in Tunis erspart.“

„Lüge! Weiter, Emery!“

Der Engländer schlug wieder zu, und da zeterte Melton endlich:

„Halt ein, halt ein! Ja, sie sind von meinem Bruder. Nun wißt ihr alles. Haltet also ein!“

„Schön! Ihr habt nun erfahren, daß Ihr wohl zum Sprechen zu bringen seid, und es ist Eure Schuld, wenn Euch nachher nach unserem Aufbruch das Reiten einige kleine Unannehmlichkeiten bereitet.“

„Was? Ich soll mit Euch fort? Ihr habt doch nun das Geld und könnt zufrieden sein! Laßt mich hier!“

„Seid Ihr verrückt geworden, Master? Euch hierlassen!“

„Ihr habt ja, was Ihr wollt, und wißt auch, was Ihr wissen wolltet. Wozu kann Euch meine Person noch nützen!“

„Welche Frage! Ich habe Euch eines mehrfachen Mordes wegen durch den ganzen Wilden Westen gejagt; ich habe Euch in Ägypten und Tunesien gesucht. Dort seid Ihr wieder zum Mörder geworden. Ihr wagtet Euch zu den Vereinigten Staaten zurück, um eine Millionenerbschaft zu ergaunern, und ich folgte Euch über das Meer. Jetzt jagten wir Euch über die Prärien bis hierher, und nun wir Euch endlich, endlich ergriffen haben, mutet Ihr uns zu, Euch laufenzulassen! Das ist doch mehr als nur verrückt!“

„Ihr wollt mich morden?“

„Nein; das werden wir dem Henker überlassen.“

„Alle Wetter! Ihr wollt mich etwa wieder ausliefern, wie damals in Fort Edward?“

„Allerdings.



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